Mein Name ist Johannes Richter. Ich bin 18 Jahre alt und spiele für den TSV Tröster Breitengüßbach in der NBBL. Im Mai haben wir im fünften Anlauf zum ersten Mal die Meisterschaft geholt. Als Belohnung gehen die Jungs und ich demnächst Paintball spielen – in muss allerdings in kurzer Hose und Unterhemd ran, um meine Meister-Wette einzulösen. Mein Leben ist Basketball, aber ich lebe nicht davon.

Meister zu sein, fühlt sich unheimlich gut an! Noch besser war das Feeling, als wir mit dem TSV Tröster Breitengüßbach im Viertelfinale zunächst den ganz großen Titelfavoriten Science City Jena mit 2:0 „gesweept“ und dann im TOP4-Halbfinale den viermaligen Champion Team ALBA Urspring aus dem Turnier geworfen haben. Dabei lagen wir gegen Urspring neun Minuten vor Schluss schon mit 16 Punkten hinten. Zu diesem Zeitpunkt hat wahrscheinlich keiner mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt. In dieser Phase des Spiels schien sich alles gegen uns verschworen zu haben – aber vielleicht war das gerade der Schlüssel zum Sieg. Großes Kompliment auf jeden Fall an unseren Coach Ulf Schabacker, der in dieser schwierigen Situation ruhig geblieben ist, kein Technisches Foul kassiert und uns für die Schlussphase richtig eingestellt hat. Als wir dann kurz darauf den Rückstand auf unter zehn Punkte drücken konnten, wusste ich: da geht noch was!

In der Crunchtime hat sich dann einmal mehr gezeigt, dass wir in dieser Saison eine unheimliche Siegermentalität entwickelt haben. Spieler wie etwa Mark Völkl, eine unglaubliche Kampfsau, waren sehr wichtig für uns. Jeder im Team hat alles für den Erfolg getan: während der regulären Saison, in den Play-Offs, schließlich beim TOP4.

Ein ungleicher Kampf: Johannes Richter im Nationalmannschaftstrikot gegen Defense-Monster Jens Grube

Ein ungleicher Kampf: Johannes Richter im Nationalmannschaftstrikot gegen Defense-Monster Jens Grube

Nach dem Sieg über Urspring, der uns wie im Vorjahr ins Finale geführt hat, war mir klar, dass das Ding noch nicht durch ist, auch wenn wir den Champion geschlagen haben. Ehrlich gesagt hatte ich unseren Finalgegner Bremerhaven nicht so stark erwartet, aber deren Vorstellung im Halbfinale gegen Hagen war ziemlich beeindruckend. Aber wir waren in diesem Jahr, wie man so schön sagt, auf einer Mission. Wir wollten diesen Titel unbedingt, schließlich war es das fünfte Mal in sechs NBBL-Jahren, dass wir im TOP4 dabei waren. Für mich persönlich ist es natürlich super, dass ich mein letztes NBBL-Jahr mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft krönen konnte. Dreimal war ich dabei im TOP4, einmal mit den Franken Hexern, zweimal mit Güßbach. Der Verein hat zehn Jahre auf diesen Titel warten müssen; 2002 ist die U20 des TSV Tröster zum letzten Mal Deutscher Meister geworden. Wir waren noch eine gefühlte Ewigkeit in der Halle in Hagen und sind dann alle zusammen in die Heimat gefahren – wir mussten ständig anhalten, haben es dann aber doch irgendwann nach Güßbach geschafft.  Auf jeden Fall hat unser Vereinsheim am Abend extra noch einmal für uns aufgemacht, wo wir dann mit allen Freunden die Meisterschaft gefeiert haben. Und an diesem Abend wurde es auch Zeit, das Versprechen unseres Bürgermeisters Reiner Hoffmann einzulösen. Seit Jahren stellt er uns beim Titelgewinn in Aussicht, dass er dem Team eine Woche Mallorca spendiert. Was soll ich sagen: Am 24. Juli geht es mit dem ganzen Tross ab nach Malle! Der Bürgermeister hat uns auch vor Ort beim TOP4 in Hagen unterstützt; an den Abenden vor Halbfinale und Finale hab‘ ich mit ihm und unserem Coach Schafkopf gespielt und dabei ein Bier getrunken – alkoholfrei natürlich! Es war anscheinend die richtige Vorbereitung… Demnächst werden wir – meine Idee – als Saisonabschluss mit dem ganzen Team Paintball spielen. Wenn wir Meister werden, habe ich den Jungs gesagt, spiele ich nur in kurzen Hosen und Unterhemd…Tja, da werde ich wohl einige blaue Flecke einsammeln…

Die Zeit vor und nach dem Final-Wochenende war richtig stressig für mich, schließlich steckte ich da mitten in den Klausuren für mein Abitur. Vor dem TOP4 habe ich drei Klausuren geschrieben, eine Woche später hatte ich noch meine mündliche Abi-Prüfung. Das ist auch der Grund, warum ich bei den Lehrgängen der U20-Nationalmannschaft etwas kürzer treten musste. Unser EM-Kader ist sehr stark, ich zähle zum jüngeren Jahrgang, von daher wird es sehr schwer, einen Platz im Kader zu bekommen. Ich werde natürlich alles daran setzen, weil ich unbedingt für Deutschland spielen will. Klappt es nicht, werde ich im Sommer trainieren und mich früh auf meine Saison in Breitengüßbach und bei den Brose Baskets konzentrieren. Beim Güßbacher ProB-Team will und soll ich mich zum Leistungsträger entwickeln, bei den Bambergern werde ich trainieren und zumindest auf der Bank sitzen. Nebenbei werde ich zum nächsten Semester ein Teilzeit-Studium beginnen, entweder Mathe oder BWL. Ich habe auch kurz mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren, aber das lässt sich in Kombination mit Profi-Basketball nicht vereinbaren. Ich habe schon vergangene Saison seit März mit dem Erstliga-Team trainiert und unheimlich viel gelernt. Ich orientiere mich in erster Linie an P.J. (Tucker Anm. d. Red.) und Peja (Suput, Anm. d. Red.), weil sie auf meiner Position spielen. Vor allem Peja gibt mir viele gute Tipps – aber wenn er etwas sagt, hört eh‘ jeder zu.

Mein Ziel ist es, mittelfristig in der 1. Liga zu spielen, alles darüber hinaus kann ich nicht beeinflussen. Mit einer Verletzung kann alles vorbei sein, von daher will ich gar nicht so weit denken. Das alles ist aber noch weit weg, denn derzeit genieße ich noch unsere absolut perfekte Saison. Meister, Baby!

AUFGEZEICHNET VON JAN FINKEN